Stolz auf eine große Geschichte

Vor 75 Jahren starteten die Busbetriebe mit dem ersten Omnibus

Die Bundesrepublik war erst wenige Woche alt, als die damalige ÜWAG am 1. August 1949 den Stadtbusverkehr aufnahm. Der Stolz des Berichterstatters ist bis heute spürbar: „Es erscheint uns keineswegs übertrieben, wenn wir behaupten, dass ein repräsentativer Omnibus das äußere Ansehen unserer Stadt mehr hebt als zehn Fabriken. Vor allem werden auch die zu Gast weilenden Fremden durch dieses elegante und bequeme Gefährt einen günstigen Eindruck von der fortschrittlichen Barockstadt Fulda mit nach Hause nehmen.“ Das schrieb die Fuldaer Volkszeitung (FVZ) nach der Jungfernfahrt am 1. August 1949. An diesem Tag nahm die ÜWAG den Nahverkehr in Fulda auf.

Vor dem Krieg hatte die Stadt mit ÜWAG schon über die Einführung von Elektrobussen gesprochen. Diese Busse hätten ihren Strom über Oberleitungen erhalten. Die ÜWAG bestellte 1939 sogar schon mehrere Oberleitungsbusse (Obusse), aber die Anschaffung scheiterte dann am allgemeinen Materialmangel im Krieg. Es wurde kein einziger Obus mehr gefertigt.

Im Jahr 1949 fuhr zunächst nur ein Bus und das auch nur auf einer Linie, der Linie Lehnerz-Bronnzell. Ein zweiter Bus wurde am 8. August in Dienst gestellt; er fuhr die Linie Horas-Künzell. Ende August traf ein weiterer Bus ein, der die Linie 3 bediente: Haimbacher Straße-Petersberg. Schon Ende 1949 hatte die ÜWAG auf den drei Linien sechs Busse im Einsatz. Bereits ein Jahr später gab es sechs Linien.

Die Fahrt innerhalb der Stadtgrenzen kostete damals 20 Pfennig und bei Überschreiten der Stadtgrenzen war ein Zuschlag von zehn Pfennig fällig. Jede Haltestelle wurde einmal pro Stunde angefahren. Der erste Bus war ein Krauss Maffei 131 mit 120 PS. Er bot 36 Sitz- und 26 Stehplätze. Der Anschaffungspreis lag bei 22.000 Mark. Jeder Busfahrer und jeder Schaffner trug Uniform.

Oberbürgermeister Cuno Raabe hatte die ÜWAG gedrängt, den Busbetrieb zu übernehmen. Die ÜWAG war dazu bereit – unter der Bedingung, dass die Stadt mögliche Defizite übernimmt. Die Stadt gab die geforderte Ausfallbürgschaft. Der ÜWAG gelang es, Mitte Juli 1949 den ersten Diesel-Omnibus zu erwerben – und die nötigen Kraftstoffmengen zu organisieren. In dem Vertrag zwischen der ÜWAG und der Stadt Fulda war aber eine spätere Umstellung von Diesel- und Oberleitungs-Busse vorgesehen.

Bereits 1950 fuhren sieben Linien. 1954/55 expandierte die ÜWAG in die Landkreise Fulda und Hünfeld. Die für den Überlandverkehr erworbenen neuen, vollbestuhlten Busse eigneten sich auch hervorragend für den Ausflugs- und Reiseverkehr. Die Nachfrage war da, und die ÜWAG wurde zum Reiseunternehmen. Regelmäßig fuhren nun Busse von Fulda aus in die Alpen, in den Schwarzwald und an den Rhein. Um den Bedarf an Busfahrern zu decken, richtete die ÜWAG 1959 eine eigene Fahrschule ein. Erst Anfang der 1970er Jahre sank der Bedarf, so dass sie wieder geschlossen wurde.

Die Busse trafen sich alle am Uniplatz, der als städtischer Busbahnhof diente. Der Verkehr nahm zu. Schon 1959 kamen dort zu Spitzenzeiten 27 Busse zusammen. OB Dr. Alfred Dregger ergriff deshalb die Initiative, dass am Stadtschloss ein neuer Omnibusbahnhof gebaut wurde. Im Juli 1960 war die Einweihung.

Zum 25-jährigen Bestehen 1974 waren es dann elf Linien, die von 38 Bussen bedient wurden. 102 Mitarbeiter waren bei den Busbetrieben beschäftigt. Die Fahrleistung betrug 1,6 Millionen Kilometer. Der Einzelfahrschein im Gesamtnetz kostete 75 Pfennig. Noch stärker gestiegen waren die Kosten für einen Bus: Er kostete 120.000 Mark.

Die zunehmende Zahl der Fahrgäste führte 1966 zu zwei Änderungen: Der 30-Minuten-Takt wurde durch einen 20-Minuten-Takt ersetzt; und der Schaffner, der bis dahin in jedem Bus mitfuhr, wurde abgeschafft – und der sogenannte „Einmannbetrieb“ eingeführt. Die Schaffner wurden zu Busfahrern ausgebildet. In den 1990er Jahren wurde der Zehn-Minuten-Takt eingeführt.

Mit Girlanden war der Bus geschmückt, mit dem der moderne Busverkehr in Fulda am 1. August 1949 startete.

Foto: Archiv RhönEnergie

Der Uniplatz diente bis 1960 als großer innerstädtischer Busbahnhof. Im Vordergrund ein Bus mit Anhänger.

Foto: Stadtarchiv

Der Busbahnhof am Stadtschloss ist seit 1960 der zentrale Umschlagpunkt für den Busverkehr der RhönEnergie Gruppe.

Foto: Stadtarchiv

Fulda, 20.07.2024